Universität und Kloster

Buchpräsentation im Melker Hof

In der repräsentativen ehemaligen Prälatur des Stiftes Melk im Wiener Hof wurde am 8. Juni 2016 der dritte Band der Melker Schriftenreihe „Thesaurus Mellicensis“ präsentiert. Thema des Sammelbandes ist die 650jährige Geschichte der Beziehung zwischen der Universität Wien und dem Kloster Melk. Herausgegeben wurde das Buch vom Stiftsbibliothekar P. Gottfried Glaßner und der Historikerin Prof. Meta Niederkorn-Bruck.

Das Buch entstand aus einer Vortragsreihe, die im Stift anlässlich des Jubiläums 650 Jahre Universität Wien stattfand. P. Gottfried hatte auch eine Sonderausstellung über das Verhältnis Kloster und Universität in der Stiftsbibliothek vorbereitet. Autorinnen und Autoren des Buches stellten verschiedene Aspekte dieser Beziehung vor. Die Historikerin und Universätsarchivarin Ulrike Denk sprach über die sogenannte Rosenburse. Da im Mittelalter nur 2 % aller Studierenden aus Wien stammten, wurden sie oft gemeinsam mit den Professoren in Häusern untergebracht, die von privater Hand betrieben und bestiftet waren, daher auch der Name „bursa“ (Stipendium oder Stiftung). Die Rosenburse war unter anderem mit Stiftungen auf Liegenschaften des Klosters Melk ausgestattet. Als die Jesuiten die Leitung der Universität und auch die Bursen übernahmen, wurde die Rosenburse in ein Barbarakonvikt umgewandelt und erweitert. P. Gottfried Glaßner berichtete, dass die Melker Kleriker, die in Wien und nicht an der Benediktineruniversität Salzburg studierten, in diesem Konvikt untergebracht waren. Nur einige wenige Äbte, darunter auch der berühmte Bauprälat Berthold Dietmayr, der auch Rektor der Universität war, haben für die Junioren ein Studienhaus im Melker Hof eingerichtet. Heute liegt dieser ja in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptgebäude der Wiener Universität am Ring, aber in der frühen Neuzeit befand sich die Universität am anderen Ende der Stadt.

Aus den Reihen der Benediktiner kamen auch viele berühmte Geschichtsforscher, in der Barockzeit etwa die Brüder Pez, in der jüngeren Vergangenheit Univ.Prof. Hugo Hantsch, dessen Lebensweg der Melker Prior und Stiftsarchivar P. Wilfried Kowarik in der genannten Vortragsreihe anhand der Quellen nachgezeichnet hatte. Bei der Buchpräsentation kam ein ehemaliger Studierender von Hantsch zu Wort, der Zeitzeuge Alexander Fried, der als tschechischer Jude Konzentrationslager, Zwangsarbeit und Todesmärsche überlebt hatte und später vor dem Kommunismus nach Wien geflohen war. Auf sehr anrührende Art schilderte Fried seine Begegnung als junger Student mit dem Melker Professor, der in unterstützte und förderte.

Das Präsentationsprogramm schloss Meta Niederkorn-Bruck mit einigen grundsätzlichen Ausführungen zu Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen Universität und Kloster. Beides seien Gemeinschaften der Lehrenden und Lerndenden, beide brauchen Akzeptanz in der Gesellschaft, beides sind „Denkräume“, in denen Wissen bewahrt und weitergegeben wird. Auch heute besteht noch diese Verbundenheit in der Forschung, nicht zuletzt weil Archiv und Bibliothek in Melk wichtige Quellen und Zeitzeugen nicht nur der Klostergeschichte, sondern der Geschichte Österreichs sind.

In Anwesenheit von Abt Georg Wilfinger, Altabt Burkhart Ellegast, Vertretern des Wiener Universiätsarchivs und etlichen jungen Geschichtsforschern wurde dem Rektor der Universität Wien Heinz W. Engl das neuerschienene Buch überreicht.

Das Buch kann im Stift Melk, aber auch über den Buchhandel bezogen werden: Universität und Kloster. Melk als Hort der Wissenschaftspflege im Bannkreis der Universität Wien - fruchtbarer Austausch seit 650 Jahren, hg. von Gottfried Glaßner OSB und Meta Niederkorn-Bruck (Thesaurus Mellicensis Bd. 3, Melk 2016), ISBN: 978-3-9503864-2-4.

 

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