Schwanthalerstatue im Kloster entdeckt

Sr. Cordula war dem „Rieder Jesuskind“ schon immer sehr gewogen. Die kleine Statue wird im Konvent der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Ried aufbewahrt. Sr. Cordula Kreinecker ist Generaloberin der Gemeinschaft. Der Gedanke, dass es sich um eine Arbeit aus der Werkstätte der oberösterreichischen Bildhauerfamilie Schwanthaler handeln könnte, ließ sie nicht los. „Da ich in Ried mehrere Vorträge über die Schwanthaler Dynastie gehört habe und bei Thomas Schwanthaler die hohe Stirn und die lange zweite Zehe Merkmal sind, bin ich auf die Idee gekommen, dass dieses Jesuskind aus der Schule der Schwanthaler stammen könnte,“ erzählt Sr. Cordula. Sie wandte sich mit diesem Verdacht an das Referat für die Kulturgüter der Orden. Und hier gelang dann mit Hilfe von Eva Voglhuber, Mitarbeiterin des Kunstreferats der Diözese Linz, die Bestätigung dieser Annahme. Ein weiteres Jesuskind aus Andrichsfurt, das eine gesicherte Arbeit aus der Werkstatt von Thomas Schwanthaler (1634-1707) ist, gleicht dem Rieder Kindl ganz frappierend. Das Jesuskind der Schwestern hat nur in späterer Zeit eine Übermalung erfahren, um sein Erscheinungsbild dem Geschmack der Zeit anzupassen. Unter dieser Fassung verbirgt sich aber eine wertvolle Barockarbeit.

Die Verehrung des Jesuskindes hat ihre theologische Grundlage in der Betrachtung der Menschwerdung: Gott wurde Mensch im Kind. Die Darstellung des Jesuskindes als Dreijähriger, stehend und mit erhobener Segenshand, ist seit dem Spätmittelalter überliefert. In der Barockzeit erreicht die Verehrung des Jesuskindes eine weite Verbreitung, besonders in den Klöstern sind Statuen aus Holz oder Wachs, oft mit Gewändern zum Bekleiden, überliefert.

Thomas Schwanthaler, ein gebürtiger Rieder, ist der bedeutendste Bildschnitzer des süddeutschen Frühbarock. Seine Figuren übersetzen einen noch aus dem Mittelalter herrührenden Bildkanon in die Leichtigkeit barocker Formensprache, und dies mit beeindruckender handwerklicher Virtuosität. Die Aufträge konnte der Meister selbst nicht alle ausführen, eine Werkstatt stand ihm zur Seite, die im unverwechselbaren Schwanthalerstil arbeitete.

 

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