Papier

Lothar Müller, Weisse Magie. Die Epoche des Papiers

Man könnte meinen, ein Buch über die Geschichte und die Beschaffenheit des Papiers müsse per se eine trockene Angelegenheit sein, zumindest eine technische. Das nunmehr in Paperback erschienene Buch des Feuilletonisten Lother Müller beweist das Gegenteil. Müller versorgt seine Leser mit einer Fülle an Wissenswertem zu allen Aspekten des Papiers und seiner Rolle in der Geschichte der Menschheit – angefangen von seiner Erfindung in Asien und Arabien über den Aufstieg zu Aktenbergen in Europa, von der Druckerpresse über den Zettelkasten bis zur Laterna magica. Auch wer schon in das Thema eingelesen ist, wird hier noch viel Neues erfahren – oder wussten Sie, dass Toilettenpapier in China schon im 9. Jahrhundert als Massenware nachweisbar ist?

„Weiße Magie“ ist ein Lesebuch, das auf wunderbar unprätentiöse Weise nicht nur viel Geschichtswissen liefert. Der Autor, ein gelernter Germanist und Historiker, verwebt seine Ausführungen mit literarischen Zeugnissen zum Thema Papier. Er führt uns in die Bibliothek von Don Quijote und fabuliert über Wilhelm Diltheys Nachlasspapiere. Er behandelt die Herstellung von Spielkarten, die Fälschung von Banknoten und die Erfindung der Lochkarte. Er nähert sich seinem Untersuchungsgegenstand von allen Seiten, verzaubert mit manch ungewohnten Sehweisen und verändert auf immer den Blick des Lesers auf diesen unscheinbaren alltäglichen Gebrauchsstoff.

Lothar Müller, Weisse Magie. Die Epoche des Papiers (München 2014, dtv  34797), ISBN 978-3-423-34797-6, 360 S., Ill., € 16,90.

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