Ordensspuren im neuen Dommuseum Wien

Dommuseum Wien, Lombardisches Tryptichon, 15. Jh.

Das neue Dommuseum neben dem Stephansdom in Wien hat nach einer gründlichen Renovierung und Neugestaltung wieder geöffnet. Wer genau hinsieht, wird auch einige Spuren von Ordensleben in der Ausstellung entdecken.

Unter den gezeigten liturgischen Geräten befindet sich das Aloisius-Reliquiar, das 1751 von Joseph Moser, einem der bedeutendsten Wiener Goldschmiede des Spätbarocks und Schöpfer der Koloman-Monstranz für das Stift Melk, hergestellt wurde. Das Stück zeigt zwei Engel mit Märtyrerpalme, Kreuz und brennendem Herz. Der heilige Aloisius von Gonzaga (1568-1591) war Jesuit, in Rom pflegte er Pestkranke, steckte sich mit der Krankheit an und starb sehr jung. Er hinterließ Briefe und Schriften, die seine ganze Hingabe an ein Leben in der Nachfolge Christi zeigen. Er wurde schon 15 Jahre nach seinem Tod selig und 1726 heilig gesprochen. 1729 ernannte ihn Papst Benedikt XIII. zum Patron der studierenden Jugend. Das Reliquiar ist eine Leihgabe der Kirche Am Hof in Wien, dort waren die Schüler des Jesuitenkollegs bis zur Ordensaufhebung 1773 untergebracht – ihnen wurde Aloisius als Vorbild vorgestellt.
Auch das sogenannte Lombardische Triptychon aus dem 15. Jahrhundert stammt von der Kirche Am Hof. Und auch hier geht es um die Vorbildlichkeit der radikalen Christusnachfolge durch Ordensleute. Der kleine Flügelaltar stellt dem Betrachter und Beter nämlich nicht nur Leben und Leiden Jesu dar, sondern auch die beiden Ordensgründer Franziskus und Dominikus. Diese beiden hatten im 13. Jahrhundert einen gänzlich neuen Ordensgedanken in die Kirche eingeführt, dessen Grundlage die kompromisslose Verwirklichung der evangelischen Räte mitten in den Städten ist. Das Triptychon wurde in Norditalien gefertigt, wo das Treiben in den neu erblühenden Handelsstädten die Verwirklichung der Bergpredigt zur besonderen Herausforderung machte. Die Lombarden waren nicht nur die Einwohner der Region Lombardei, die Bezeichnung wurde zum Synonym für Kaufleute. Die Verdichtung und Verinnerlichung religiösen Lebens im späten Mittelalter, für die der Franziskaner- und der Dominikanerorden in besonderer Weise stehen, brachte Menschen vor die Frage nach einem guten Leben und es wuchs das Bedürfnis nach dem Umgang mit persönlichem Versagen und Schuld. Auf dem Altar ist eine Ablassurkunde angebracht, die dem Beter, der bei der Betrachtung des heiligmäßigen Vorbilds von Franziskus und Dominikus die eigene Unzulänglichkeit erkennt und bekennt, Vergebung für sich und die Seinen zusichert.

Das neue Dommuseum überrascht die BesucherInnen vor allem damit, dass es die historischen religiösen Werke mit moderner Kunst, vor allem aus der Sammlung von Otto Mauer, paart.  In einer solchen Gegenüberstellung wird auch eine Leihgabe aus dem Stift Kremsmünster gezeigt, und zwar das berühmte, um 1160/80 entstandene Scheibenkreuz, eines der Hauptwerke romanischer Kunst in Österreich. Das Stift hatte das Kreuz im 17. Jahrhundert angekauft. Es zeigt in wunderbarer Goldschmiedearbeit Auferstehung und Himmelfahrt Christi, was eine Verwendung in der Osterliturgie nahelegt.


In der Sonderausstellung Sprache der Bilder - Bilder der Sprache, die noch bis August 2018 zu sehen ist, werden außerdem mittelalterliche Handschriften aus dem Stift Klosterneuburg gezeigt – zu einer Schau über die Verbindung von Schrift und Bild gehören einfach eindrucksvolle Prachtbände aus einer altehrwürdigen Klosterbibliothek.
Es werden aufmerksame BesucherInnen vielleicht noch andere Ordensspuren im neuen Dommuseum entdecken. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall. Als Begleiter ist die App des Dommuseums sehr zu empfehlen.

 

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