Österreichs Archive in Europa

Vom 17. bis 19. Oktober 2012 fand zu diesem Thema eine Tagung im Österreichischen Staatsarchiv statt. Der erste Teil der Tagung war dem Thema „Gemeinsame archivalische Quellen in Österreich und in der Slowakei“ gewidmet. Hintergrund ist ein vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziertes Projekt, das die Digitalisierung von Archivalien in niederösterreichischen, Wiener und slowakischen Archiven und deren Präsentation im Internet beinhaltet. Für weitere Informationen siehe die Projektseite von CrACR (Crossborder Archives), weiters die Website des Wiener Stadt- und Landesarchivs sowie die Liste der Begünstigten des Projekts auf der Website des EFRE-Programms Österreich/Slowakei.

Der zweite Teil der Tagung beschäftigte sich mit dem Europäischen Archivportal. Näheres über das Projekt eines gemeinsamen europäischen Archivportals, seine Planung und den Stand der Vorarbeiten ist auf der Website des Projekts APEx zu finden.

Kerstin Muff vom EU-Projekt ICARUS stellte das Europäische Archivportal als den „freien und  ungehinderten Zugang zur Schatzkammer Europas“ vor, der einen „demokratischen Zugang zur europäischen Geschichte“ darstelle, da die Quellen rund um die Uhr kostenlos und überall zur Verfügung gestellt würden.
Danach referierte Daniel Jeller, gleichfalls von ICARUS, über die technischen Tools und Rahmenbedingungen des Europäischen Archivportals. Grundsätzlich wäre, so Jeller, zu bewältigen, dass europäische Archive mit unterschiedlichen Datenformaten arbeiten. Im Europäischen Archivportal werden Metadaten in XML verarbeitet. Lokale Archivdatenbanken müssen Exportformate in  XML generieren, wozu Tools zur Verfügung gestellt werden. Der Upload funktioniert entweder über HTTP/FTP oder über ein Metadaten-Harvesting mit OAI-PMH.

Inhaltlich gibt es drei verschiedene Ebenen zur Standardisierung der Metadaten: EAG - Encoded Archival Guide (Beschreibung der Europäischen Archivlandschaft) sowie die EAD - Encoded Archival Description für Beständeübersichten und für Findbücher. Für das Europäische Archivportal wurde die EAD in die etwas breiter angelegte apeEAD adaptiert, in die das Mapping der lokalen Dateien stattfindet. Siehe dazu auch den Bericht über die Mapping-Konferenz 2011.

In der Beständeübersicht sollen die Daten mit der Beschreibung der Herkunftsstellen verbunden werden, hier wird der Standard EAC-CPF (Encoded Archival Context – Corporate Bodies, Persons, Families) verwendet. Erschließungsdaten, die Links zu Digitalisaten von Archivalien beinhalten, können auch in die EUROPEANA exportiert werden.

Thomas Just, Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, referierte über die Beteiligung österreichischer Archive im Europäischen Archivportal. Er hat, so Just, die Funktion des Country Managers für die österreichischen Archive im Portal übernommen, d.h. das Staatarchiv hat die Aufgabe, die Bereitstellung der Erschließungsdaten aus den einzelnen Archiven für die Aufnahme in das Europäische Archivportal abzuklären, gleichsam ein Österreichisches Archivportal innerhalb des Europäischen aufzubauen. Just erklärte, dass dies noch einer breiteren Debatte in Österreich bedürfe. Auf Nachfrage, ob nicht das Österreichische Archivregister sozusagen als Einstieg zur Präsenz des Österreichischen Archivwesens im Europäischen Portal dienen könne, meinte Just, dass es dazu einer Präzisierung der Formierung des Archivregisters bedürfe. Zur Frage der Nachhaltigkeit des Europäischen Archivportals, das derzeit innerhalb eines EU-finanzierten Projekts, das 2015 ausläuft, entwickelt wird, wurde die Auskunft gegeben, dass die Gründung einer Stiftung angedacht sei, aber noch nichts Konkretes vorhanden ist.

Kerstin Arnold vom APEx-Projekt demonstrierte am letzten Tag im Rahmen eines Workshops sehr anschaulich und kompetent die Aufarbeitung und Verarbeitung archivischer Erschließungsdaten und den Upload in das Europäische Archivportal.  Was sie allerdings nicht beantworten konnte, waren die Anfragen der österreichischen TeilnehmerInnen nach der inhaltlichen Struktur des Europäischen Archivportals, welches in seiner strikten Trennung zwischen einer Beständeübersicht einerseits und den Findbüchern (mit Erschließungsdaten auf Aktenebene) anderseits als  auch in der Ausklammerung einzelner Erschließungsdaten nach ISAD (International Standard Archival Description) in apeEAD wie etwa das Pflichtfeld „Verzeichnungsstufe“ sehr viel mehr den deutschen als den internationalen Erschließungsstandards zu entsprechen scheint.

Als Resümee hält die Berichterstatterin fest, dass das Europäische Archivportal, welches eigentlich ein virtueller Archivverbund ist, seine Vorteile dort hat, wo die Vorteile  aller online zur Verfügung stehenden Archivinformationssysteme liegen: In der Möglichkeit, quer durch die Bestände (im Europäischen Archivportal quer durch die Archive) nach entlegenen archivalischen Quellen zu suchen, die ein bestimmtes Stichwort enthalten und in der Möglichkeit, ein Findmittel bereits vor dem Archivbesuch konsultieren zu können. Da Erschließungsdaten in Archivinformationssystemen stets in Datenbanken strukturiert sind, ist die Abbildung älterer Findbehelfe, insbesondere handgeschriebener Repertorien oder maschinschriftlicher Findbücher, schwierig. Wissenschaftlich forschenden BenützerInnen wäre, gerade was die österreichischen Kloster- und Ordensarchive betrifft, bisweilen besser gedient, wenn ihnen die alten analogen Findmittel als Digitalisat oder pdf-Datei zur Verfügung gestellt würden. Der Kontext der Erschließungsdaten bleibt so viel besser gewahrt.

Helga Penz

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