Neues Schaudepot in Zwettl

Georg Balthasar Reber, Hl. Bernhard mit dem Kreuz, 1721, Stift Zwettl

Stift Zwettl hat eine neue Attraktion: ein barockes Schaudepot. Wir geben den Bericht des Kustos Mag. Andreas Gamerith in der jüngsten Ausgabe der Stiftszeitung Zwettl in Auszügen wieder: „Wie die Inventare aus dem späten 18. Jahrhundert zeigen, war die Kunstsammlung des Stiftes im Oratorium der Stiftskirche untergebracht: die Wände schmückten Gemälde, in den Kästen wurden diverse Skulpturen und kleinformatige Bilder aufbewahrt, darunter etwa die Skizzen Paul Trogers für die Bibliotheksfresken. Das Interesse des Abtes Melchior von Zaunagg für Angelegenheiten der Kunst ist legendär.
Das Anlegen eines „Museums“ für die kostbaren Stücke der eigenen Sammlung war bei den Klöstern Mitteleuropas durchaus gängige Praxis; das von Abt Melchior initiierte Projekt besitzt dennoch auffällige Besonderheiten. Sehr ungewöhnlich ist die direkte Verbindung von Kirchengebäude und Kunstsammlung. Zu beachten ist dabei vor allem die Rolle des Sakralraums - der Blick auf das Kircheninnere durch die Scheiben des Oratoriums wird quasi zum Blick in eine Vitrine. Eine Kirche wird nicht mehr nur als Kulturraum, sondern aus Kunstwerk wahrgenommen.
Bis in das frühe 19. Jahrhundert blieb die Zwettler Sammlung möglicherweise großteils in ihrer um 1730 erstellten Form bestehen. Mit der Errichtung eines modernen Stiftsmuseums im „Stephaneum“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Sammlung endgültig zerteilt, nach und nach ging die vormalige Bedeutung des Oratoriums verloren. Die vom Land Niederösterreich ins Leben gerufene Initiative „Schätze im Schaufenster“ unterstützt großzügig Sammlungen und Museen und  hilft, Bestände aufzuarbeiten und zu inventarisieren. Stift Zwettl wurde es durch diese Hilfe seitens des Landes und der „Freunde des Zisterzienserstifts Zwettl“ möglich, die lange vernachlässigten Räume des Oratoriums wieder der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Rahmen des neuen Schaudepots wird es ab 2016 möglich sein, wichtige Teile der Stiftssammlung im historischen Ambiente in Augenschein nehmen zu können.“

Öffentliche Führungstermine ins Schaudepot finden am 22. Mai 2016 um 14.00 und um 15.30 Uhr, am 17. Juli um 14.00 Uhr und am 25. September um 14.00 Uhr statt. Weitere Termine nach Vereinbarung.

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