Mittelalterliche Fragmente entschlüsselt - Entdeckung in Stift Admont

Abrogans - Fragmentenfund in Stift Admont

Die österreichischen Medien nennen es einen Sensationsfund, denn immerhin wurde in Stift Admont „womöglich das älteste deutsche Schriftstück“ entdeckt. Die Entdeckung wurde am 12. Mai 2017 in Admont vorgestellt - es handelt sich um zwei Fragmente des sogenannten Abrogans, eines Latein-Wörterbuchs aus der Karolingerzeit, benannt nach dem ersten Worteintrag.

Die Identifzierung der beiden Pergamentfragmente gelang dem Klosterneuburger Stiftsbibliothekar Martin Haltrich, der sich unter anderem mit der Sammlung der karolingischen Schriftdenkmale in Österreichs Bibliotheken beschäftigt und eine entsprechende Webdatenbank plant. Bei der Durchsicht der Fragmentesammlung in der Admonter Bibliothek im Jahr 2012 fand er die fraglichen zwei Stücke. Um herauszufinden, um was es sich dabei genau handelte, schickte er Fotos an verschiedene Experten, die seine Vermutung bestätigten.

Der Standard vom 12.5.2017 berichtet: „Bisher ging man davon aus, dass es vom „Abrogans“ nur drei Abschriften gibt: einen vollständig erhaltenen Band in der Stiftsbibliothek St. Gallen in der Schweiz, Fragmente in der Nationalbibliothek Paris und in der Landesbibliothek Karlsruhe. Nun gibt es also noch Teile einer vierten Version, die sich laut „Spiegel Online“ deutlich von den drei bekannten Abschriften unterscheidet. Die bisherigen Versionen erklären selten verwendete lateinische Begriffe mit einfacheren lateinischen Wörtern, ehe sie in einer dritten Spalte ins Althochdeutsche übersetzt werden. Die in Admont entdeckten Ausschnitte dürften eine Überarbeitung des rund um das Jahr 800 entstandenen Glossars darstellen, da es auch geläufigere lateinische Begriffe direkt ins Althochdeutsche übersetzt. […] Wie und wann aber kamen die Pergamentteile ins Stift Admont, das erst 1074 gegründet wurde? Recherchen ergaben, dass die zwei Fragmente seit 1963 in jener Mappe steckten, die Haltrich 49 Jahre später in Augenschein nahm. 1963 wurde ein Buch der Klosterbibliothek mit dem Titel „Der geheime Schreiber“ aus dem 18. Jahrhundert restauriert. Die damalige Restauratorin löste die Pergamente vom Umschlag des anscheinend bereits im 18. Jahrhundert erstmals restaurierten Werks und lieferte sie in der Mappe zurück nach Admont. Die alten Pergamente waren also im 18. Jahrhundert auf dem Buchdeckel des „geheimen Schreibers“ gelandet. Damit ist die buchstäbliche Schnitzeljagd natürlich noch lange nicht beendet. Denn wie und wo wurde das Pergament quasi als Recyclingmaterial auf den Buchdeckel geleimt? Allem Anschein nach dürfte im 18. Jahrhundert ein Buchbinder aus Steyr das Buch für die Stiftsbibliothek Admont neu eingebunden haben. Und dafür verwendete er vermutlich ausrangiertes Pergament, das er in den Stiftsbibliotheken in der Nähe aufgekauft hatte. Stimmt die Vermutung, dann kommen Klöster wie Salzburg, Kremsmünster und Mondsee infrage, am wahrscheinlichsten ist das einstige Benediktinerstift Mondsee, das rund um das Jahr 800 als Wissenszentrum galt. Womöglich war eine Version des „Abrogans“ dort vorhanden und ist dann ausgesondert worden, ehe der Buchbinder in Steyr Teile davon erwarb und verleimte.“

 

 

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