Kulturtag der Orden 2017 - Rückblick

Sr. Ruth Pucher beim Kulturtag 2017

Über den Kulturtag am 29. November 2017 berichtet die Kathpress unter dem Titel:
„Glaube über Kulturgüter ins Gespräch bringen
Über den Besuch und das Erfahren von Kirchen-und Klosterräumen kann der Glaube wieder ins Gespräch gebracht werden. Das betonte Sr. Ruth Pucher, Ordensfrau und Kirchenhistorikerin, beim Kulturtag im Rahmen der Herbsttagung der Österreichischen Ordensgemeinschaften im Kardinal-König-Haus in Wien am 29. November 2017. Unter dem Stichwort „Kirchenpädagogik“ ist Pucher zuständig für eine 2016 gegründete Arbeitsgemeinschaft im Referat für die Kulturgüter der Orden, die sich der Vermittlung von Architektur und Kunstschätzen im Kirchen-und Klosterbereich widmet. Eine umfassend verstandene Kirchenpädagogik nehme zwar Elemente der klassischen Pädagogik auf, gehe aber über eine touristische Kirchenführung und die bloße Vermittlung von Zahlen, Daten und Fakten hinaus. „Wir müssen die Schätze, die sich in Klöstern und Kirchen befinden, nicht nur für den Kopf, sondern auch für Herz, Gemüt, Sinne, Füße und Hände greifbar machen“, so Pucher. Für viele sei es etwa eine besondere Erfahrung, einmal hinter dem Altar oder auf der Kanzel zu stehen und liturgische Haltungen auszuprobieren. Eine so verstandene Form der Kirchenpädagogik bringe Menschen und den Kirchenraum in Beziehung, allerdings nicht auf ein „einfaches Fingerschnippen“ hin. Pucher ermutigte dazu, neue Formen zu finden, um den Sinngehalt, das Anliegen des Glaubens und die dahinterstehenden Lebensformen sichtbar zu machen. Insofern eröffne Kirchenpädagogik Zugänge zu religiösen Erfahrungen. Etwa durch das Erzählen der eigenen Berufungsgeschichte anhand eines Kunstgegenstandes. „Das sind Türöffner, wo Menschen andocken können, da kommt das Herz dann leicht ins Spiel.“ So stehe Kirchenpädagogik auch im Dienste der Berufungspastoral. „Wenn wir zeigen, wie wir leben, dann können wir auch einladen und sagen, vielleicht möchten sie auch so leben.

„Wichtige Aspekte einer Kirchenpädagogik seien, so Pucher, auch Entschleunigung, Reduktion und Fokussierung. „Da ist weniger oft mehr.“ Das heiße allerdings, den Mut zu haben, auch etwas wegzulassen. Das Wenige bleibe dann oft besser in Erinnerung. Sie plädierte auch für offene Kirchen und Klöster und das trotz sicherheitsbedingter Sorgen. Denn es sei noch einmal etwas anderes, in einer Kirche zu beten. Dazu müsse Raum und Möglichkeit gegeben werden. Insofern sei Kirchenpädagogik eine „langfristige Investition“ in die kommende Generation und eine Initiative gegen das allmähliche Verschwinden der Orden aus dem Bewusstsein der Gesellschaft. Mehr denn je seien heute Menschen mit Religionskompetenz und Kirchenkompetenz gefragt und Ordensleute hätten beides, seien allerdings oft ungeübt. Hilfe bekommen sie bei der 2016 neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft Kirchenpädagogik, die sich als Beziehungsgestaltung zwischen den dringlichen Elementen von Kirche und Kloster und interessierten Gästen und Besuchern versteht. Der Besuch Außenstehender in Klöstern könne aber auch für die Gemeinschaften selber fruchtbar gemacht werden. Denn die meist durch den Eintritt junger Ordensleute not-wendig werdende Erneuerung falle heute oft weg. „Das kann mit der Kirchenpädagogik ersatzweise erfolgen, weil immer Gruppen von außen hereingeholt werden, die zumindest für eine kurze Zeit etwas wissen wollen, das in verständliche Sprache gebracht werden muss.“
Werte und Lebensart transportieren
Findet eine Ausstellung in einem Kloster statt, empfiehlt auch Klaus Landa vom Oberösterreichischen Museumsverband, die Tradition der Gemeinschaft und ihre Art zu leben durchaus mitzutransportieren. Seine Erfahrung habe gezeigt: Auch nicht religiöse Menschen seien durchaus am Klosteralltag interessiert und Klöster hätten eine besondere Anziehungskraft. „Insofern müssen Klöster noch stärker und intensiver schauen, wie die Botschaft aufbereitet und gut vermittelt werden kann.“ Generell rät er, vor einer Ausstellung einen kritischen Schritt zurückzumachen und nach Botschaften, Methoden und Intentionen zu fragen und ein gutes Konzept zu entwerfen. Hier unterscheide sich ein Kloster nicht von einem weltlichen Museum. Die Trends gingen aktuell weg von der Objektfülle hin zum Erzählen von Geschichten und zum haptischen Erfahren.
Sicherung und Erhaltung der Kulturgüter
Vor einer Herausforderung stehen Ordensgemeinschaften auch bei der Sicherung und dem Erhalt ihrer Kulturgüter. Ein im Jahr 2017 vom Referat für Kulturgüter der Orden gestartetes Projekt soll ihnen bei der Schätzung, Ordnung und Inventarisierung ihrer Kulturwerte helfen. Leiterin ist die Kunsthistorikerin und Restauratorin Karin Mayer, die ihre Aufgabe seither an 24 Standorte in ganz Österreich auf Dachböden, in Keller und Depots geführt hat. Die Anfragen drehen sich zumeist um die Erfassung von Beständen, Werkeermittlung und deren Restaurierung und richtige Aufbewahrung. Das Spektrum reiche von bedeutenden Kunstwerken bis hin zu Alltagsgegenständen, die die Lebensweise der Ordensleute dokumentieren und mehr einen im-materiellen Wert hätten. Alles könne natürlich nicht aufbewahrt werden, so Mayer. Viele der Gegenstände würden deshalb weitervermittelt und wiederverwendet.“
Quelle: Kathpress-Ordensnews Nr. 178, 30. November 2017.

Eine Zusammenfassung der gesamten Herbsttagung mit Fotos gibt es auf https://www.ordensgemeinschaften.at/ordenstag.
Den Vortrag von Klaus Landa kann man hier nachhören: https://www.ordensgemeinschaften.at/images/medienbuero/audio/20171129_otag17_landa_vortrag.MP3. Die beiden anderen Vorträge von Sr. Ruth Pucher und Karin Mayer werden Anfang nächsten Jahres in den Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden erscheinen.
Das Video zum Thema des Ordenstags „Aufbruch bewegt“ ist hier: https://youtu.be/NeeTaB_La48

Einen ausführlichen Bericht gibt es auch im Maganzin der Katholischen Medienakademie „Werk-Satz“ (im Anhang).

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