Jö, eine Meerjungfrau

Mittelalterliche Urkunden mit anhängenden Wachssiegeln zeigt man gern in Ausstellungen. Das dachten wir uns auch im Stift Herzogenburg. Am Vorabend des Reformationsjubiläums wollten wir den „Herbst des Mittelalters“ im Stiftsmuseum zeigen und entschieden uns, auch eine Reihe von spätmittelalterlichen Seelgeräten, also mittelalterlichen Stiftungen für das Totengedenken, auszustellen. Leider zeigte sich, dass die Siegel im Lauf der Jahrhunderte Staub und Schmutz angelegt hatten.

Aus dem Archiv der Erzdiözese Salzburg wurden mir freundlicherweise Empfehlungen des Restaurators, wie man Siegel am besten selbst reinigt, übermittelt:

• Verwendung von verschiedensten (feinen) Pinseln
• Wenn möglich unter bzw. mit Hilfe einer Lupe reinigen
• Punktuell kann auch feucht gereinigt werden; hierbei wird ein ausschließlich mit Wasser leicht angefeuchtetes Wattestäbchen verwendet und die angefeuchtete Stelle anschließend sofort mit einem trockenen Wattestäbchen wieder trocken getupft.

Ich hielt mich an die Anweisungen und machte mich an die Arbeit. Die schonende und vorsichtige Behandlung der Siegel brachte erstaunliche Erfolge. Das Wachs glänzte und das Siegelbild war wieder gut sichtbar. So legte ich zum Beispiel ein Siegel mit einer zweischwänzigen Meerjungfrau frei. Wer es im Original sehen will, ist herzlich eingeladen ins Stift Herzogenburg.

Farbbalken