Entdeckungen im Stift Heiligenkreuz

P. Alkuin entüllt ein verborgenes Regel in der Stiftsbibliothek von Heiligenkreuz.

Das Frühjahrstreffen der Kommission Theologische Spezialbibliotheken in der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare fand in diesem Jahr in Stift Heiligenkreuz statt. Aus diesem Anlass präsentierte Stiftsbibliothekar P. Alkuin Schachenmayr die spannende Geschichte von Stifts- und Hochschulbibliothek in Heiligenkreuz.
Es begann im Stift Heiligenkreuz alles wie in vielen anderen Stiften auch: Mit einer historischen Stiftsbibliothek, wenig Budget, überalteter Systematik und ohne Fachpersonal. Das berichtete P. Alkuin, dem das Amt des Stiftsbibliothekars im Jahr 2011 übertragen wurde. P. Alkuin ist Absolvent des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung und wurde dann Stiftsarchivar in seinem Heimatkloster. „Die Bibliothek war eigentlich zuerst nur eine Nebenbeschäftigung“, bekannte P. Alkuin. Aber das sollte sich in den kommenden Jahren gründlich ändern.
Die Stiftsbibliothek ist in mehreren historischen (barocken) Sälen untergebracht. Der historische Buchbestand beinhaltet 30.000 Bände, 45.000 Bände sind aus der Zeit nach 1850. Viele Bücher kommen aus Nachlässen von Mönchen, sodass Schwerpunkte des Bestands die jeweiligen Forschungsinteressen der Mitbrüder abbilden. Besonders Bibelwissenschaften sind gut vertreten, auch Kirchenrecht, sowie Kirchengeschichte besonders des Mittelalters.
Im Jahr 2012 beschloss das Kapitel eine bauliche Erweiterung und neue Ausstattung der Hochschule. Die Finanzierung sollte ausschließlich über Drittelmittel erfolgen, ein ehrgeiziges Unterfangen, das in den nächsten Jahren unerwartet gut gelingen sollte. Es wurden mehrere Millionen Euro aus Spenden für die Hochschule aufgebracht.
Etwa zur gleichen Zeit stellte das Referat für die Kulturgüter den Kontakt zwischen dem Bibliothekar der Hochschule der Salesianer in Benediktbeuern Philipp Gahn und dem Stiftsbibliothekar in Heiligenkreuz her. Benediktbeuern stand vor der Auflösung und suchte eine Lösung für seine Hochschulbibliothek. In Heiligenkreuz hatte man bei den Visitationen der Bildungskongregation die Anweisung erhalten, eine Hochschulbibliothek einzurichten. So kam es zur Schenkung der Benediktbeuerner Hochschulbibliothek mit 250.000 Bänden an das Stift Heiligenkreuz.
P. Alkuin berichtete anschaulich, wie logistisch herausfordernd die Übersiedlung der Bibliothek von Deutschland nach Österreich war. Die Bestände mussten in Benediktbeuern erfasst, die systematische Ordnung soweit möglich erhalten, die Bücher physisch mit mehreren Lkw-Ladungen transportiert und neu aufgestellt werden. Eine so große Bibliothek, die sich durch die Systematisierung eines gewachsenen Bestands und unklare Aquierungsrichtlinien auszeichnete, neu aufstellen und zu katalogisieren, war eine gewaltige Herausforderung.
In Heiligenkreuz wechselte man die Bibliothekssoftware, von Dabis zum Österreichischen Bibliothekenverbund. Die Katalogisate mussten vom Programm Dabis bzw. Allegro, das in Benediktbeuern verwendet worden war, in das neue System übertragen werden. „Die Nacharbeit der Daten wird noch Jahre dauern“, prognostiziert P. Alkuin. Einen schönen Webauftritt hat der Bibliothekskatalog bereits.
Die neue Bibliothek befindet sich im Gebäude der Hochschule, welches wiederum ein Erweiterungsbau des ehemaligen Meierhofs (Vierkanter) ist. Die Bibliothek befindet sich über der Cafeteria und gegenüber einem Hörsaal. Für P. Alkuin war es wichtig, dass der Lesesaal möglichst attraktiv für die Studierenden ist. „Die 20jährigen haben heute oft kaum Bucherfahrung, sie lesen im Internet“, erklärt P. Alkuin. Bibliotheksbenützung ist für diese Generation keine Selbstverständlichkeit. Wichtig war darum, attraktive Elemente wie WLAN und einen Buchscanner im Bibliotheksbereich anzubieten. Im Zeitschriftenbereich gibt es eine gemütliche Lounge, die Arbeitsplätze sind hell und einladend. Die Zukunft gehört dem e-book, davon ist P. Alkuin überzeugt. Er stellt auch seine eigenen Publikationen elektronisch online zur Verfügung, auf der Website www.pater-alkuin.com.
Die Stiftsbibliothek wurde um zwei Depoträume erweitert, von dort kann auch für die Hochschulbibliothek ausgehoben werden. Für das Zeitschriftendepot und die Verwaltung der Periodika ist Frater Florian zuständig. Die Heiligenkreuzer Bibliothek hat 466 Titel im Periodikabereich, davon 170 laufende Abonnements. Es gibt auch einen eigenen Bestand „Cistercienserforschung“. Heiligenkreuz möchte Fachbibliothek für Literatur über den Cistercienserorden werden und sieht auch eine Verantwortung für Bibliotheken erlöschender Cistercienserkonvente Mitteleuropas.

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