Einblicke in Heiligenkreuz

Am 17. und 18. Oktober hat das Institut für Zisterzienserforschung in Stift Heiligenkreuz eine wissenschaftliche Tagung über die „Religiöse Volkskunde in den österrreichischen Prälatenklöstern in der Frühen Neuzeit“ abgehalten. Es ging um Gebräuch und Rituale in den Klöster, liturgische wie weltliche. Der Stiftsarchivar des Hauses, P. Alkuin Schachenmayer referierte über das Zeremoniell bei der bischöflichen Visitation und dem Ablauf der Fußwaschung am Gründonnerstag im Kloster. Die Handlungen sind bis ins kleine Detail geregelt, und kleine Abweichungen können große Bedeutung gewinnen.

Für den nationalfeiertäglichen Wandertag in den Wienerwald hat sich der Sammlungskustos des Stiftes Heiligenkreuz P. Roman Nägele heuer etwas besonderes einfallen lassen: Es gab Einblicke in Sammlungen des Stiftes, und zwar in die mittelalterlichen Handschriften, die Münzsammlung und das Musikarchiv.
Die zahlreich erschienen Gäste, darunter auch Ehrengäste aus dem Haus Habsburg, wurden von Prior P. Meinrad Tomann begrüßt. P. Prior sprach seine Wertschätzung für die Forscher aus, die die Sammlungen im Stift bearbeiten – denn es brauche „besondere Einblicke und besondere Augen“, Experten eben, die die Bestände erforschen und zugänglich machen.
Eröffnet wurde das Programm mit einem Vortrag von Alois Haidinger über die mittelalterlichen Handschriften. Seit 2010 arbeiten die mittlerweile pensionierten Mitarbeiter der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Alois Haidinger und Franz Lackner ehrenamtlich an der Erschließung des Handschriftenbestands im Stift Heiligenkreuz. Dieser umfasst insgesamt 600 Manuskripte aus dem 10. bis 19. Jahrhundert, 380 Handschriften sind aus dem Mittelalter. 100 Bücher waren bereits in der Gründungszeit des Klosters vorhanden. Unter dem ersten Abt wurde 1147 ein erstes Bücherverzeichnis angelegt. Durch diese Liste können vorhandene Handschriften datiert werden. Dass eine Datierung bei so vielen Handschriften aus dem 12. Jahrhundert gelingt, ist außergewöhnlich und darum stellt der Heiligenkreuzer Bestand eine Besonderheit dar. Mehr als die Hälfte der Manuskripte im Bücherverzeichnis, nämlich 51, sind heute noch vorhanden. Davon wurden 10 Handschriften in Frankreich gekauft und im Heiligenkreuzer Skriptorium mit Buchschmuck versehen. Die Handschriften kommen aus französischen Zisterzen, manche können in Bellevaux verortet werden. Ein Schreiber aus Bellevaux ist in Heiligenkreuzer Handschriften nachweisbar, möglicherweise gehörte er zum Gründungskonvent. Handschriften von Schreibern und Zeichnern aus dem Stift Heiligenkreuz sind auch in anderen Klöstern vorhanden, so etwa ein Lektionar in Stift Zwettl, einem Tochterkloster von Heiligenkreuz. 30 Handschriften in Zwettl sind von Schreibern, die auch in Heiligenkreuz tätig waren. Heiligenkreuz besitzt das älteste Zisterzienserbrevier und das älteste vollständige Messbuch von allen Zisterzienserklöstern in Österreich (Cod. 127).

Über die Münzsammlung sprach Nusmatikprofessor Reinhard Wolters. Eine Münzsammlung ist im Wiener Heiligenkreuzerhof seit dem 18. Jahrhundert belegt, es waren Patres wie P. Johann Nepomuk Weiß, die Münzen sammelten und die Sammlung betreuten. Im Jahr 1884 bestand die Sammllung aus 30.000 Münzen und Medaillen. Nach 1945 wurde die Münzsammlung ins Stift gebracht. Sie wurde oft neu geordnet und umfasst heute 90.000 Münzen und Medaillen. Sie ist damit eine der eindrucksvollsten klösterlichen Sammlungen in Österreich. Eine professionelle Sammlungsbetreuung hat es seit dem 19. Jahrhundert nicht gegeben. Vor einigen Jahren wurde von P. Roman das Institut für Numismatik und Geldgeschichte an der Universität angefragt, Seit 2013 erfolgt eine Erfassung mit Studierenden seit 2013 (2 Wochen jeden Sommer). Für die heutige Veranstaltung wurden
Vitrinen für das Stiftsmuseum angefertigt, die ausgewählte Stücke aus der Sammlung zeigen und erklären. Es sind Münzen und Medaillen mit Bezug zur Stiftsgeschichte ausgewählt worden, darunter Münzfunde antik römischer Münzen nahe dem Stift sowie eine 500 Schilling-Münze, die zum 800jährigen Jubiläum des Stifts geprägt worden ist. Gezeigt wird auch eine Medaille Kaiser Karls, geprägt aus Anlass seiner Seligsprechung 2004. Der Gedenktag Kaiser Karls ist der nur wenige Tage zuvor gelegene 21. Oktober, Bankdirektor Günter Bergauer sprach in seiner Funktion als Angehöriger des St. Georgsorden über den Seligen und seine Friedensbemühungen im 1. Weltkrieg.

Schätze aus dem Musikarchiv des Stiftes Heilgenkreuz wurden in den Musikeinlagen der Veranstaltung bekannt gemacht. Zu hören waren Werke von Ferdinand Rebay, Kaiser Leopold I., Johann Sebastian Bach und den Wiener Geiger Josef Mayseder, der am 26. Oktober 1789 geboren ist.

P. Roman kündigte eine weitere Veranstaltung mit Sammlungseinblicken für den 26. Oktober 2018 an, dann soll es um Glaskunst und um Krippenfiguren des 19. Jahrhunderts gehen.

 

 

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