Die Schatzkammer des Deutschen Ordens

Die Schatzkammer des Deutschen Ordens

Die Schatzkammer des Deutschen Ordens, hrsg. von Raphael Beuing (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens  70 , Weimar 2015), 409 S., ISBN 978-3-89739-746-0, EUR 49,40

Zum Jubiläum seines 825jährigen Bestehens legt der Deutsche Orden 2015 einen neuen Katalog für seine Schatzkammer vor, die im Deutschordenshaus in Wien ausgestellt ist und zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art gehört.
Die Sammlung setzt sich im Wesentlichen aus den Nachlässen der fürstlichen Hochmeister zusammen, insbesondere jener von Erzherzog Maximilian III. (1558.1618) und Erzherzog Leopold Wilhelm (1614-1662). Das gibt der Schatzkammer das Gepräge einer fürstlichen Kunstkammer, in der man Kleinodien,Tafelaufsätze, Uhren und wissenschaftliche Geräte,  Bezoare und Natterzungenkredenz ebenso findet wie Waffen, Kostüme und Schmuck. Anders als in den Schatzkammern anderer Orden sind die liturgischen Geräte und Gewänder in der Minderzahl. Ergänzt wird dieser Bestand durch Tafelgeschirr (vor allem aus der Hochmeisterresidenz Mergentheim), Kelche und Reliquiare (aus den in der Säkularisierung 1805-1809 aufgehobenen Kommenden und Deutschordenskirchen in Deutschland), religiöse Gemälde (aus den Ordenskirchen in Graz, Friesach und Wien), Insignien und Ornate der Ordensritter sowie durch eine Serie von Hochmeisterportraits. Unter dem Hochmeister Erzherzog Wilhelm (1863-1894) wurden die Kostbarkeiten und Kuriositäten erstmals auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 1957 besteht im Deutsch-Ordenshaus in der Wiener Singerstraße ein eigenes Museum.
Weitere Details zur Sammlungsgeschichte bringt der vorliegende Katalog in einer ausführlichen Einleitung. Auch bei den einzelnen Stücken beschränkt sich der Band nicht auf Inventarangaben, sondern gibt zu den einzelnen Stücken eine Beschreibung, kunsthistorische und historische Einordnung und Überlieferungsgeschichte. Dabei sind die Texte auch allgemein verständlich verfasst und es werden Techniken und Funktionen der einzelnen Gegenstände erläutert. So erfährt der Leser ganz nebenbei, was der Unterschied zwischen einem Zehner und einem Rosenkranz ist, wie Edelsteine in der Renaissance geschliffen wurden, wie man eine Bußgeißel von einer Reitpeitsche auseinanderhält und was nun eigentlich eine Natterzungenkredenz wirklich ist.
Der großformatige Band ist außerordentlich sorgfältig gestaltet. Es sind alle Stücke der Schatzkammer in Wort und Bild aufgenommen, so dass der Band die Aufgabe eines Bestandkatalogs erfüllt. Die Qualität der Fotos ist sehr gut und Details wie Punzen oder Wappen werden vergrößert herausgestellt. Ein Anhang mit einer Liste der Hochmeister, einem Standortverzeichnis und einer Signaturenkonkordanz schließen das Werk ab. Jeder Sammlung ist ein solch umfassender und instruktiver Katalog nur zu wünschen. Dem Deutschen Orden sei dafür herzlich gedankt.

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