Die Ordensnamen

Fr. Tarcisius Sztubitz OCist, Der Ordensname. Theologie, Entwicklung und Besonderheiten der klösterlichen Namensänderungen insbesondere in Österreich und Süddeutschland, in: Analecta Cisterciensia 67 (2017) 109-211.

Die Diplomarbeit von Fr. Tarcisius aus dem Stift Heiligenkreuz ist in der Fachzeitschrift der Zisterzienser, den Analecta Cistercensia, erschienen. Der Beitrag bietet eine umfassende Geschichte der Ordensnamen, insbesondere in Österreich.

Fr. Tarcisius erläutert in seiner Arbeit die Grundlagen christlicher Namensänderungen, die oft eine tiefe religiöse Bedeutung hatten. So etwa erhielt der Angelsachse Winfried seinen Namen Bonifatius, als er vom Papst seinen Missionsauftrag bekam. Als Zeichen von Bekehrung und einer wichtigen Position in der Kirche waren im Frühchristentum Namensänderungen bei Taufen und Bischofsweihen üblich, bei der Papstwahl haben sie sich bis heute erhalten.

In den Ordensgemeinschaften ist eine Namensänderung beim Eintritt oder bei der Ablegung der Gelübde erst erstaunlich spät festzumachen: Den ältesten Beleg für Namenswechsel in österreichischen Benediktinerklöstern hat die Erzabtei St. Peter: Ein Novize namens Georg erhielt bei seiner Profess im Jahr 1433 den Namen Antonius. Grund für die Einführung von Ordensnamen waren nicht nur die spätmittelalterlichen Reformbewegungen in den Klöstern, sondern auch der Umstand, dass sich im 15. Jahrhundert die Vielfalt der Namen allgemein reduzierte. Das Mittelalter kannte noch viele Ruf- und Spitznamen, die wie Eigennamen verwendet wurden, so etwa der Name des Hl. Franziskus, der eigentlich den Taufnamen Giovanni (Johannes) hatte, aber wegen seiner französischen Mutter „kleiner Franzose“ (Francesco) gerufen wurde. In der Neuzeit reduzierte sich die Anzahl der Namen auf eine immer kleiner werdene Menge von Standard- und Modenamen. Die Verhinderung der Namenshäufungen und die daraus resultierende Einmaligkeit eines Namens pro Gemeinschaft blieben seither Merkmale der Ordensnamen.

Fr. Tarcisius widmet sich der Entwicklung der Ordensnamen in den verschiedenen Gemeinschaften. Er verweist auf die Besonderheiten jener Orden, die auch den Nachnamen ersetzen, erläutert, dass bei weitem nicht alle Frauenorden als ersten Ordensamen Maria führen oder dass in der vorkonzilaren Tradition Ordensnamen auch bei Ordensgemeinschaften wie den Salvatorianern oder den Steyler Missionaren verwendet wurden.

Fr. Tarcisius hat in seiner Arbeit das Thema Ordensname umfassend abgehandelt und dabei sorgfältig und weitreichend recherchiert. Er bietet viele kostbare Details aus der Geschichte und Theologie der Ordensnamensgebung und behandelt auch die vielen Besondernheiten in der so bunten österreichischen Ordenslandschaft. Seine profunde und spannende Arbeit schließt eine schon lange bestehende Forschungslücke auf hervorragende Weise.

 

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