Dame mit Bart und andere Post

Hl. Kümmernis, Briefmarke (Foto: Diözesanmuseum Graz)

Wer die Faszination für eine Dame mit Bart für eine neue Mode und Conchita Wurst für eine einmalige Zeiterscheinung hält, irrt. Die Volksfrömmigkeit kennt schon seit Jahrhunderten die Verehrung für eine bärtige Frau, Wilgefortis („tapfere Jungfrau“) bzw. „Hl. Kümmernis“. Auch die Grazer Ursulinen hatten eine Darstellung dieser Heiligen am Kreuz, die sie vor einigen Jahren an das Diözesanmuseum Graz abgegeben haben. Dieses hat nun pünktlich zum Eurovisions-Songcontest eine Briefmarke mit dem Kümmerniskreuz herausgegeben.
Der Legende nach lebte sie in der Frühzeit des Christentums als gottgeweihte Jungfrau. Als ihr Vater sie mit einem heidnischen König vermählen wollte, weigerte sie sich und erbat sich im Gebet das Aussehen eines Mannes: Sie wollte ihrem himmlischen Bräutigam ähnlich sein. Ihr wütender Vater ließ sie ans Kreuz schlagen, doch vom Kreuz herab predigte sie so eindringlich, dass sich viele zum Glauben bekannten.
Die Bollandisten mutmaßten, dass die von der Kirche nie als Heilige anerkannte Kümmernis nie gelebt hat und ihre frühen Darstellungen einen mit Prunkgewand bekleideten Christus am Kreuz zeigen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Darstellungen einer gekreuzigten Frau mit Bart den aufgeklärten und sachlichen Bollandisten nicht recht einleuchten wollte. Der Verehrung der Hl. Kümmernis besonders im bayrisch-österreichischen Raum hat das keinen Abbruch getan.
Die Briefmarke ist für EUR 1,90 im Diözesanmuseum Graz erhältlich.
Kelchvelum Englische Fräulein, Briefmarke (Foto: Diözesanmseum St. Pölten)Auch das Diözesanmuseum St. Pölten präsentiert eine Briefmarke, und zwar mit einem Kelchvelum, das zu einem Barockornat der Congregatio Jesu, vormals „Englische Fräulein“ gehört. Der Überlieferung nach soll der Ornat von Kaiserinmutter Elisabeth Christine gestickt worden sein; durch die besondere Freundschaft von Kaiserin Maria Theresia mit der Ordensoberin Maria Katharina Gräfin St. Julien gelangte es 1740 bzw. 1748 in den Besitz der Englischen Fräulein in St. Pölten. 2010 übergaben diese den historischen Paramentenbestand als Dauerleihgabe in das Diözesanmuseum St. Pölten, wo es u.a. derzeit in der jüngst renovierten Paramentenkammer des Bistums St. Pölten gezeigt wird. Die Briefmarke wird am 19. Juni 2015 um 16.00 Uhr im Sommerrefektorium im Bischofshof in St. Pölten, Domplatz 1, präsentiert. Um 14.00 Uhr wird eine Sonderführung durch die Paramentenkammer angeboten.
  

 

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