Chrut und Uchrut

Chrut und Uchrut vergond ned. Biographien in der Schnittmenge Publizistik, Kräuterheilkunde und Kulturkampf zur Jahrhundertwende in Feldkirch und darüber hinaus, hg. vom Archiv der Diözese Feldkirch (=Quellen und Untersuchungen - Schriftenreihe des Archivs der Diözese Feldkirch 5, Feldkirch 2015), ohne ISBN.

Das Antoniushaus der Kreuzschwestern in Feldkirch ist heute ein Pflegeheim. Seine Erbauung im Jahr 1899 als Exerzitienhaus und Haushaltungsschule verdankt es zwei Geistlichen, Josef Häusle und Anton Ender. Das Diözesanarchiv legt nun im jüngsten Band seiner Schriftenreihe die Lebensbilder dieser und zwei weiterer Priester vor, die im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in Vorarlberg gewirkt hatten. Ihre Lebensbeschreibungen werfen ein Schlaglicht auf eine bewegte Zeit für die Kirche, die geprägt war von leidenschaftlich geführten Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern eines politischen, ultramontan gesinnten Katholizismus und eines scharf antiklerikalen Liberalismus. Die beschriebenen Priester gewinnen vor diesem Hintergrund ein eigenes Profil: Sie trieben die Verdichtung katholischen Lebens bis in alle gesellschaftspolitischen Bereiche voran, gründeten kirchliche Vereine, förderten neue Niederlassungen von Orden in Vorarlberg wie jene der Salvatorianer, waren publizistisch tätig - und betätigten sich als „Kräuterpfarrer“. Von den Spöttern als Kurpfuscherei abgetan, blieben ihre Salben und Kuren - oft von Ordensfrauen hergestellt und verabreicht - nicht ohne Erfolg beim Publikum und fußten auf eifriger Sammel- und Experimentiertätigkeit. Der Titel des Buches vom Kraut und Unkraut, das nicht vergeht, weist auf diesen Aspekt hin, ist aber durchaus mehrdeutig zu verstehen. Nicht alle religiösen Bemühungen des kulturkämpferischen Priestertums waren heilsam, da blühte auch manch seltsamere Pflänzchen und lag der Glaube oft dem Aberglauben gefährlich nah.

Das Buch ist ein interessanter und wichtiger Beitrag zur Forschung über das kirchliche Leben im 19. Jahrhundert und durch den biographischen Ansatz lebendig und facettenreich. Die Autoren, der Diözesanarchivar von Feldkirch, Michael Fliri, der Stadtarchivar von Feldkirch, Christoph Volaucnik, und der Historiker Thomas E. Wanger, haben das Quellenmaterial gründlich ausgewertet. Der Band ist sehr ansprechend und sorgfältig mit zahlreichen historischen Aufnahmen gestaltet.

Erhältlich im Archiv der Diözese Feldkirch.

Farbbalken