Call for Papers – Klöster und Befestigungen

Stift Göttweig, Stich von Salomon Kleiner

Die 27. Tagung der Wartburg-Gesellschaft findet in Zusammenarbeit mit der Donau-Universität Krems und dem Institut für Realienkunde sowie der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung im Mai 2019 in Krems an der Donau (A) statt. Sie ist dem Thema „Klosterbefestigungen – Klöster, Stifte und Wehrbau“ gewidmet.
Klöster und Stifte waren nicht nur Orte der Kontemplation, sondern auch Zentren der Herrschaft, oft ausgestattet mit umfangreichem Grundbesitz, einträglichen Rechten und wertvollen Kirchenschätzen und Bibliotheken. Doch wie schützte sich ein Kloster/Stift vor An- und Übergriffen und Plünderungen? Gab es überhaupt Wehranlagen und wenn ja, seit wann? Oder besaßen Klöster bzw. Stifte nur Einfriedungsmauern, die zur Abgrenzung, nicht aber zu aktiven Verteidigung gedacht waren? Wie muss man sich die Verteidigung eines Klosters vorstellen – sowohl baulich als auch waffentechnisch und personell? Anders gefragt: Welche Verteidigungsanlagen gab es, wer patrouillierte auf den Ringmauern, wer sicherte die Tore und mit welchen Waffen?
Die Tagung widmet sich erstmals dem Phänomen des verteidigungsfähigen Klosters in Mittelalter und Früher Neuzeit. Bislang beschränkte sich die Beschäftigung mit dem Thema „sakraler Verteidigungsbau“ nahezu ausschließlich auf die Burgen der Ritterorden, Bischofsburgen und Wehrkirchen, zu denen umfangreiche Literatur vorliegt (vgl. Forschungen zu Burgen und Schlössern Bd. 6 = Burgen kirchlicher Bauherren). Diese Burgen stehen nicht im Fokus der geplanten Tagung. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, ob auch solche Klöster und Stifte einen Wehrcharakter haben können, die nicht von Ritterorden erbaut wurden. Bislang liegen kaum Forschungen zu Art und Weise der Wehranlagen von Klöstern und Stiften vor. Dies gilt auch für Klöster, die aus einer Burg hervorgegangen sind (z. B. Sonnenburg/Südtirol, Großcomburg). Hier stellt sich u. a. die Frage, inwieweit man die Befestigungen nach dem Übergang an den sakralen Träger aufgegeben, beibehalten oder gar erweitert hat. Vor allem in (einstigen) Grenzregionen scheint sich der Bedarf ergeben zu haben, Klöster und Stifte nicht nur in Kriegs- und Krisenzeiten (z. B. Türken-/Maurenbedrohung) umfangreich zu befestigen, wie dies u. a. für Klöster auf der Iberischen Halbinsel und in Südosteuropa gilt. Auch in Gegenden Mitteleuropas wie Nieder- und Oberösterreich (z. B. Göttweig, Melk) oder Württemberg (Maulbronn) lassen sich zahlreiche Beispiele finden, die mitunter mit modernsten Befestigungsanlagen ausgestattet wurden. Hier stellt sich u. a. die Frage nach regelrechten „Befestigungsprogrammen“, aber auch den Baumeistern/Ingenieuren und dem Zusammenhang mit dem zeittypischen Festungsbau insgesamt. Ziel ist eine interdisziplinäre Tagung sowie eine Tagungspublikation, die erstmals umfassend das verteidigungsfähige Kloster in Europa in den Blickpunkt nehmen. Erwünscht sind insbesondere Referate, die einzelne Klosterbefestigungen in einen größeren regionalen Kontext rücken und/oder die im Hinblick auf die Analyse von Einzelbauten architektonische und schriftliche Quellen gleichermaßen verbinden. Neue Forschungen sind explizit erwünscht und sollen durch diese Ausschreibung angeregt werden. Aufgefordert sind insbesondere auch Nachwuchswissenschaftler sich mit einem Beitrag zu beteiligen. Geplant sind Referate mit einer Länge von 20-25 min mit anschließender Diskussion. Bewerbungen mit einem Abstract (max. 1 Seite) sowie einer kurzen Bio-Bibliographie bis 31.12.2017 an:
Prof. Dr. G. Ulrich Großmann, Germanisches Nationalmuseum, Kartäusergasse 1, D-90402 Nürnberg;
E-mail: generaldirektion@gnm.de (als Betreff: WBG-Tagung Klosterbefestigungen), Tel.: +49 911 1331 100,
Tagungsort: Donau-Universität Krems, Dr.-Karl-Dorrek-Str. 30, 3500 Krems an der Donau, Österreich

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