Ausstellung Heiliger Leopold

Heiliger Leopold, um 1515, Stift Klosterneuburg

Leopold III., Markgraf von Österreich und Gründer der Stifte Klosterneuburg und Heiligenkreuz, wurde vor 350 Jahren zum Landespatron von Niederösterreich erhoben. Aus diesem Anlass zeigt das Niederösterreichische Landesmuseum in St. Pölten in Kooperation mit dem Stift Klosterneuburg von 24. Februar 2013 bis 26. Jänner 2014 eine Sonderausstellung mit dem Titel Heiliger Leopold – Mensch, Politiker, Landespatron.

Die Verehrung Leopolds und sein Aufstieg zum „Nationalheiligen“ wurde von den Habsburgern gefördert, die sich damit als Nachfolger der Babenberger und Herrscher Österreichs legitimierten. Der Heilige Leopold wurde in der Neuzeit schnell sehr populär und sein Grab in Klosterneuburg Anziehungspunkt für Pilger. Der Kaiser sorgte für eine Verbreitung des Kults, indem er aus Leopolds Leichnam Reliquien entnehmen und an andere Höfe versenden ließ. Auch in Vorbereitung der Ausstellung erfolgte eine Entnahme aus den sterblichen Überresten des Heiligen Leopolds, allerdings nicht aus religiösen, sondern aus wissenschaftlichen Gründen. Eine DNA-Untersuchung klärte, dass es sich bei dem mit dem Markgrafen und dessen Gemahlin Agnes bestatteten Körper um derer leiblichen Sohn handelt.

Aus der Lebenszeit Leopolds im 12. Jahrhundert sind nicht sehr viele Zeugnisse überliefert. Die Ausstellung zeigt einige sehr exquisite Handschriften aus der Stiftsbibliothek und eine erlesene Auswahl des im Stiftsarchiv verwahrten Familienarchivs der Babenberger. Der überwiegende Teil der Schau befasst sich mit dem Bild Leopolds, das sich spätere Generationen von ihm gemacht haben. Gezeigt werden unter anderem Gemälde von Barockkünstlern wie Altomonte und Graphiken des 19. Jahrhunderts, in denen Leopold zum österreichischen Nationalhelden hochstilisiert wurde.

Zusätzlich zu diesem historischen Teil der Ausstellung, welche vom Stiftsarchivar von Klosterneuburg Karl Holubar kuratiert wurde, zeigt der Direktor des Stiftsmuseums von Klosterneuburg Wolfgang Christian Huber eine besonders eindrucksvolle Sammlung zeitgenössischer Kunst. Er hat Künstlerinnen und Künstler eingeladen, einen neuen Blick auf die altehrwürdige Figur zu werfen. Im Ausstellungskatalog resümiert Huber: „Leopold ist aktuell. Alle, die im Rahmen des Projekts angesprochen wurden, haben ohne Zögern zugesagt, sich der Aufgabe zu stellen – einige mit dem Nachsatz, dass sie, da sie „keine Kirchgänger“ seien, sich nie eingehender mit der Person Leopolds beschäftigt haben.“ Entstanden sind spannende und originelle Auseinandersetzungen mit der Formensprache des überlieferten Leopoldbilds und mit der Bedeutung des Heiligen im Hier und Heute. Künstlerisches und kulturelles Erbe erweisen sich auch hier wieder als Sprachelemente, mit denen sich Glaube stets neu ausbuchstabieren lässt.

Die Gleichwertigkeit des historischen und des modernen Leopoldbilds findet auch im sehr schön gestalteten Ausstellungskatalog seinen Ausdruck: Er lässt sich nämlich von zwei Seiten aufschlagen. So kann jede/r einen eigenen Zugang zum Heiligen Leopold finden.

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