Aktuelle Forschungsprojekte zur Ordensgeschichte

Am 19. und 20. Juni 2015 lädt die Nachwuchsgruppe der Arbeitsgemeinschaft der Kirchenhistoriker und Kirchenhistorikerinnen im deutschen Sprachraum in Verbindung mit der Katholischen Akademie in Bayern zu einer Tagung in München ein. Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss katholischer Kirchenhistoriker und Kirchenhistorikerinnen, die mehrheitlich in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol forschen und lehren. Sie umfasst mehr als hundert Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen. Angeschlossen ist eine Nachwuchsgruppe aus Habilitanden und Promovenden.
Auf der Website der Arbeitsgemeinschaft findet man eine Liste der Disseratationsprojekte der Mitglieder der Nachwuchsgruppe und erhält damit einen guten Überblick, welche Aspekte der Ordensgeschichtsforschung den Historikernachwuchs interessieren.
Unter den zu erforschenden Orden sind die Jesuiten noch immer die beliebtesten, insbesondere die Alte Gesellschaft bis 1773. Zur Gesellchaft Jesu gibt es die meisten Dissertationsprojekte. Ebensoviele Arbeiten beschäftigen sich mit einem Thema, das zunehmend populärer unter Geschichtsforschern wird: Mission und Globalierungsgeschichte. Gearbeitet wird über die Steyler Missionare, über die Missionare des heilgen Franz von Sales, aber auch ordensübergreifend. Bei der Forschung über die Geschichte des Benediktinerordens stehen in der Regel Studien über einzelne Abteien im Vordergrund. P. Maximilian Schiefermüller aus Admont schreibt an einer Doktorarbeit über den Stiftsbrand 1865. Markus Bürscher, Bibliothekar an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz beschäftigt sich mit der Rezeption der Benediktusregel im 17./18. Jahrhundert. Über das Prämonastranserstift Schlägl und seinen Beitrag zur Konfessionalisierung im Mühlviertel hat Stiftsarchivar Petrus Bayer eine Doktorarbeit verfasst. Auch über die Dominikaner wird geforscht, der Prior des Wiener Dominikanerklosters P. Viliam Doci etwa forscht über die Seelsorge der Dominikaner in Kaschau im 18. Jahrhundert. Wesentlich weniger als über die Männer- wird über die Frauenorden gearbeitet. Interessant ist ein Projekt an der Universität Münster, das sich mit der Geschichte der Äbtissinnenweihe beschäftigt. Spannend auch eine Arbeit über die Transformation amerikanischer Frauenorden von 1950 bis 1980. Auch eine Doktorarbeit über das Grazer Ursulinenkloster ist in Arbeit. Zu den Frauengemeinschaften des 19. Jahrhunderts ist kein Disserationsthema gelistet, überhaupt bietet das 19. Jahrhundert in der Kirchengeschichte noch viele Desiderate.

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