50 Jahre Musicam sacram

Musica e chiesa, 3-5.3.2017

50 Jahre nach der Instruktion der Liturgiekongregation zur Kirchenmusik fand im Vatikan eine Tagung zum Thema „Musica e Chiesa“ statt. An der Konferenz nahmen rund 350 Musiker, Liturgiker, Komponisten und Dirigenten, Erzieher, Musikwissenschaftler und Theologien teil sowie Vertreter der Orden und Bischofskonferenzen. Die Veranstaltung wurde vom Päpstlichen Rat für die Kultur gemeinsam mit der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, dem Päpstlichen Institut für Sakralmusik und dem Päpstlichen Liturgieinstitut von Sant’Anselmo vorbereitet. Funktionäre der Kongregation für den Gottesdienst partizipierten ebenfalls, berichtet Culture e fede, die Zeitschrift des Päpstlichen Rats für die Kultur (Ausgabe 2, 2017, S. 135-141).
Die Eröffnungsansprache hielt Bischof Carlos Azevedo vom Päpstlichen Rat für die Kultur. Er bezog sich auf die Kategorien Rhythmus, Melodie und Harmonie als Ausdruck der „Dreidimensionalität des Unendlichen“ und referierte über die Herausforderungen der Evangelisation im Kontext zeitgenössischer Musikkulturen. Gianfranco Kardinal Ravasi, Präsident des Rats, eröffnete seinen Vortrag über den Platz, den Musiken in den Schöpfungserzählungen Indiens oder des alten Ägyptens haben. Er wies darauf hin dass auch das biblische Wort von: „Am Anfang war das Wort“  einen „Soundevent“ an den Beginn stellt und referierte über die verschiedenen Bibelstellen, die Bezug auf Musik nehmen. Im biblischen Hebräisch, so Ravasi, kommt das Wort „Musik“ nicht vor, sondern es werden Ausdrücke für Riten, Liturgien und Feste gebraucht. Der Vortragende erörterte dann das Psalmwort vom vollkommenen Ton Gottes, das nicht gehört werden kann (Ps 19), denn „Stille ist die Fülle des Tons wie Weiß die Fülle der Farbe ist“. Er beschrieb weiters die verschiedenen Funktionen von Musik in Kriegsliedern, Todesliedern, Siegesgesang, Musik in Religion und Theater, bei Festen und in Fastenzeiten.
Der zweite Keynotespeaker war Michele Dall’Ongaro, Präsident der Italienischen Nationalakademie von Santa Cecilia. Er sprach darüber, dass, bezogen etwa auf die klassischen Werke italienischer Musik, Musik nicht die alle Menschen vereinende Sprache sei, sondern vielmehr Identität und Selbstgewissheit vermittelt. Er unterstrich die Bedeutung kultureller Diversität auch in gottesdienstlichen Musiken, vermerkte aber auch, dass zwar derzeit 40 Millionen Chinesen das Klavierspiel erlernen, aber nur wenige Europäer sich dem Banhu widmen. Unsere zeitgenössische „liquid society“ scheint keine Ankerpunkte zu finden, aber obwohl das musikalische Kulturerbe eigentümlich und gut identifizierbar ist, hat es an diesem Zerfließen Anteil: vom Lautsprecher bis zum MP3-Player, von der Jukebox bis zum Herunterladen von Musik im Internet. Der Musikmarkt hat hier enormen Einfluss und verwischt die Grenzen zwischen „ernster“ und „volkstümlicher“ Musik. Dafür ist heute wieder mehr von Weltmusik („ethnischer“ Musik) die Rede. Der nächste Redner war Paul Inwood, der über Sakralmusik und die entsprechenden Kirchentexte und pastoralen Praktiken sprach. Es folgten mehrere Beiträge über „Musicam sacram“, das Verhältnis von Musik und Theologie und die Frage von „Neuer Musik für Neue Gemeinschaften“. Auch Ausbildungsgänge für Kirchenmusiker waren ein Thema. Eine Podiumsdiskussion war dem Thema „Musik und Inkulturation“ gewidmet.


Papst Franziskus richtete ein Wort an die Teilnehmenden der Konferenz. Er nahm Bezug auf die Instruktion „Musicam sacram“, die nach dem II. Vatikanischen Konzil die Beziehung zwischen Sakralmusik und zeitgenössischer Kultur neu definierte und betonte den Stellenwert der Kirchenmusik in der Liturgie. Musik und Gesang seien wichtige Formen der aktiven Teilnahme der feiernden Gemeinde am Gottesdienst. Die Pflege des reichen kirchlichen Musikerbes sei wichtig, ebenso sei aber bedeutsam, dass die Kirchenmusik und der Gesang im Gottesdienst in den zeitgenössischen künstlerischen Ausdruck und die aktuellen Musikformen inkulturiert werden.
Alle Tagungsbeiträge sind in Druck erschienen: Musica e Chiesa, Culto e cultura a 50 anni dalla Musicam Sacram. Roma, 2-4 marzo 2017 (Aracne editrice), ISBN: 978-88-255-0486-6.

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