200 Jahre Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde

http://www.archiv-ikg-wien.at

Im Jahr 1816 beschlossen Vertreter der jüdischen Gemeinde in Wien, alle Aktenstücke (Patente, kaiserliche Erlässe und Verordnungen, welche die Rechte und Pflichten der ortsansässigen Juden regelten) zu sammeln und aufzubewahren. Es dauerte aber noch weitere dreißig Jahre bis sich das Archiv „institutionalisierte“.

Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 wurde die IKG Wien gezwungen, den Archivbetrieb einzustellen. Die IKG und ihr Archiv kamen unter die vollständige Kontrolle der Zentralstelle für jüdische Auswanderung und der Gestapo. Darüber hinaus bedienten sich die Nationalsozialisten der Archivmaterialien, um die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung zu organisieren.

Nach dem Kreig waren die Archivbestände in einem erbärmlichen Zustand und lagerten in feuchten Kellerräumen. 1951 stimmte das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) zu, Teile des Archivs der Institution „The Jewish Historical General Archives“ (heute: „The Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem“) unentgeltlich als Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Auf Initiative des Präsidenten der IKG Wien, Dr. Ariel Muzicant, wurde ab 1998 wieder ein Archiv aufgebaut. Dabei wurden umfassende Bestände in einem alten Gebäude der IKG Wien wiedergefunden. In den mehr als 800 Kartons befanden sich u.a. 500.000 Dokumente aus der NS-Zeit – wichtiges Archivmaterial für die Erforschung der Shoah mit personenbezogenen Karteien. Mehr als 70 Jahre nach der Auflösung durch die Nationalsozialisten wurde Anfang 2009 das Archiv als eigene Abteilung der IKG Wien wieder begründet und damit dessen Bedeutung für die Kultusgemeinde unterstrichen. Unter der Leitung der Archivarin Mag. Susanne Uslu-Pauer entstand ein modernes Archiv: konservatorische Maßnahmen wurden ergriffen und das Archivgut umfassend geordnet und erschlossen. Frau Uslu-Pauer ist Mitglied der Fachgruppe der Archive der Kirchen und Religionsgemeinschaften, in der auch die Ordensarchive mitwirken.

Zu seinem 200jährigen Jubiläum präsentiert sich das Archiv der Kultusgemeinde auf einer neuen Website unter www.archiv-ikg-wien.at. ForscherInnen erhalten Informationen über Bestände und Projekte. Für alle Interessierten gibt es eine „Virtuelle Ausstellung“ durch das Archiv: Gezeigt werden spannenden Dokumente, Fotos, Pläne und Graphiken zur Geschichte, zum Leben und Sterben der jüdischen Bevölkerung Wiens.

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