100 Jahre – Jubiläen am Ende und am Anfang

Am 6. Oktober 2018 endete das Gedenkjahr zum 100. Todestag von Pater Jordan, dem Gründer der Salvatorianer, und am 9. Oktober 2018 begann das Jubiläumsjahr zum 100jährigen Bestehen der Caritas Socialis.
Das Pater-Jordan-Gedenkjahr schloss mit dem traditionellen herbstlichen Salvatorianischen Begegnungstag im Bildungshaus Großrußbach. Der Provinzarchivar und Ordenshistoriker P. Peter van Meijl, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive Österreichs, sprach von der Verehrung Pater Jordans als Heiliger an seinem Todesort Tafers in der Schweiz, die aber auch wieder erlosch, als der heilige Leib 1956 nach Rom überführt wurde. Zugänge zu Heiligen und Ordensgründern ändern sich mit dem Lauf der Geschichte, die Fragestellung des Gedenkjahrs sei im Orden gewesen: „wie können wir Pater Jordan wieder neu machen?“. Die Auseinandersetzung mit Leben und Wirken besonders eines Ordensgründers und Apostels seiner Zeit hilft, denn, so Pater Jordans Worte, „ein Mensch genügt, um die ganze Welt besser zu machen“.
Die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis will sich in ihrem Jubiläumsjahr mit ihrem Auftrag im sozialen Apostolat und der Weiterentwicklung desselben beschäftigen. Bei der Auftaktveranstaltung legte die Festrednerin Prof. Regina Polak, Leiterin des Instituts für Praktische Theologie an der Universität Wien, den Weg ins Jubiläumsjahr. Sie definierte die Caritas Socialis als eine „Lerngemeinschaft der Freiheit“, und zeigte am Beispiel der Gründerin Hildegard Burjan sowie am „Change Management“ der Gemeinschaft nach dem 2. Vaticanum, wie die Caritas Socialis in der Freiheit voranging. Gemeint ist eine Freiheit im biblischen Sinn, die stets mit Gerechtigkeit verbunden ist. Reformprozesse in der Caritas Socialis wurden und werden von den Schwestern strukturell und spirituell gestaltet. Prof. Polak hatte übrigens auch bei einem großen Event im salvatorianischen Gedenkjahr gesprochen.

Man spürt in den Gemeinschaften, wie groß das Bedürfnis ist, bei Gedenken und Jubiläen Identität und Vision zu verschränken und erste Schritte zu setzen, um ein Ordenscharisma in die Zukunft zu transponieren und auch nach außen zu verkünden. Festmessen, Feiern, Jubiläumswallfahrten und Podiumsdiskussionen festigen die Bindung von Wohltätern, Freunden und Interessenten an eine Gemeinschaft. Hier merkt man ein zunehmendes Bewusstsein, dass ein Orden viele Kreise um sich zieht und man sich zugehörig fühlen darf. Auf der anderen Seite nimmt das Wissen um Orden, ja um Kirche allgemein, auch in den Bildungsschichten immer mehr ab. Als Forschungsgegenstand gibt es Ordensgeschichte bei den Historikern und Ordenstheologie bei den Theologen nur mehr ganz vereinzelt. Jubiläen wurden früher dafür genutzt, ausführlich zur Geschichte zu forschen, heute kommt das leider kaum noch vor.

Helga Penz

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